#10: Wenn KI alles kann, wozu noch Kuratieren, Lukas Feireiss?
03.09.2026 59 min Andre Cramer
Zusammenfassung & Show Notes
Ich spreche mit Lukas Feireiss, Kurator, Autor und Lehrender aus Berlin. Lukas arbeitet an den Schnittstellen von Kunst, Architektur und Wissenschaft, und er versteht sich nicht als Künstler, sondern als jemand, dessen Arbeit es ist, Ideen, Menschen und Räume miteinander zu verbinden. Für ihn beginnt Kuratieren beim Wortursprung, curare, dem Sich-Kümmern und dem Heilen. Kuratieren heißt bei ihm, Sorge zu tragen.
Wir erleben gerade einen Kipppunkt. Das Erzeugen von Texten, Bildern und Musik kostet fast nichts mehr, alles ist im Überfluss da. Wenn aber bald fast alles erzeugbar ist, wird nicht mehr das Erzeugen wertvoll, sondern das Auswählen, das Verbinden, das Urteilen und das Sich-Kümmern. Von hier aus öffnet sich das Gespräch weit. Wir sprechen über Kuratieren als eine neue Kulturtechnik, über die Kraft des Unfertigen und der Ambivalenz, über Aufmerksamkeit und Verantwortung und darüber, wie Bedeutung überhaupt zwischen Menschen entsteht. Und über die Frage, was kostbar bleibt, wenn fast alles machbar wird.
Kennengelernt haben Lukas und ich uns vor Jahren über das gemeinsame Projekt Weak Signals, ein Glossar der frühen Zeichen kommender Veränderung an der Schnittstelle von Kunst und Technologie. Genau dort setzt dieses Gespräch wieder an.
💡 Highlights dieser Folge:
- ✅ Warum Kuratieren mehr ist als Auswählen
- ✅ Weshalb Maschinen Bedeutung simulieren, aber für nichts einstehen
- ✅ Was die Technik der Collage und Lukas' Radical Cut-Up Gedanken über generative KI verraten
- ✅ Warum Geschmack vielleicht nicht das Alleinstellungsmerkmal in KI-Zeiten ist, sondern womöglich das erste Opfer
- ✅ Ambivalenz als Superkraft der Künste, und warum es Stärke braucht, Mehrdeutigkeit auszuhalten
- ✅ Wo sorgsames Kuratieren unter Druck gerät, zwischen Automatisierung, Reizüberflutung und einem Publikum, dem gut genug reicht
- ✅ Wie sich der Begriff der Intelligenz weiten lässt, hin zu Beziehungsfähigkeit und nicht-menschlichen Formen von Intelligenz
Links und Referenzen:
- Weak Signals, New Narratives in Art and Technology, herausgegeben von Lukas Feireiss und Florian Hadler, UdK x Deutsche Telekom | https://y-u-k-i-k-o.com/projects/weak-signals/
- IBM Software Manual von 1979: A computer can never be held accountable
- Sandberg Institute Master Programm Radical Cut-Up | https://sandbergseries.nl/departments/radical-cut-up
- Tweet: Greg Brockman (Open AI): „taste is the new core skill“
- Studie zu Cognitive Surrender im Kontext KI: Thinking—Fast, Slow, and Artificial: How AI is Reshaping Human Reasoning and the Rise of Cognitive Surrender
- Das absurde Beispiel, wie man angeblich automatisiertes „Taste-Building“ betreiben kann | The Autopilot – Der wichtigste KI-Skill 2026
- Emily Segal | Artikel zu „Tasteslop“ in der Sunday Times
- Jay Springett | „Slop Machines of Loving Grace“
- Healing Arts Kongress Berlin | https://thehealingarts.online
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